Biertisch Philisophie

Biertisch Philisophie

Von einer Großstadt wie München zu behaupten: “die da drüben, auf der anderen Seite der Isar, wären ganz anders, da wohnen ganz andere Leute!” ist eine steile These!

Als ich etwas jünger war, ging ich freitags nach Feierabend, in die Kneipe um mich zu unterhalten und etwas Spaß zu haben. Dort saßen Bekannte und Freunde und ab und zu kam mal ein völlig Fremder rein. Diesmal war es für die Wirtin kein Fremder, sondern jemand, den sie wohl lange aus den Augen verloren hatte, ganz einfach weil er, vor langer Zeit, in ein anderes Stadtviertel hier in München gezogen war – wie es sich für mich als Zuhörer herausstellte. >>>>english>>>

Es war nicht leicht, nicht zuzuhören, da der Fremde rechts von mir stand und auch wenn er leicht vorgebeugt war, um mit der Wirtin zu sprechen, hatte er so eine laute Stimme, dass es – wie gesagt – nicht leicht war, nichts mitlzubekommen, was er so von sich gab. Conclusio: ihn hatte es wohl schlimm erwischt, seinen Erzählungen nach: die falsche Frau geheiratet, die falschen Schwiegereltern, die falschen Nachbarn und überhaupt: “seien doch alle Leute ganz anders, die da drüben, die auf der anderen Seite der Isar wohnen!”

Nun sehen Sie bitte meinen Unterkiefer sich leicht nach vorne schiebend und meine Ohren verschließen sich von selbst, um meinen Gedanken sich die Ruhe zu gönnen, um in meinem Kopf hin und her zu wandern:

  • 1.) Wenn man als einzelner von vielen behauptet, all die anderen wären komisch, dann sollte man darüber mal selber nachdenken und reflektieren, weshalb das Licht dieser Erkenntnis gerade in diesem Winkel gefallen ist, dass es all die anderen trifft und man selber im Dunkeln stehen bleibt!
  • 2.) Von einer Großstadt wie München zu behaupten: “die da drüben, auf der anderen Seite der Isar, wären ganz anders, da wohnen ganz andere Leute!” ist eine steile These! Denn ich denke mal, was da umgezogen wird in einem Jahr nur, von hier nach da und wieder zurück! Der Zuzug unerwähnt und die Vermischung der Einwohner über die letzten 30, 40, 50 Jahre.

“Da drüben wohnen ganz andere Leute!” Dieser eine Satz hatte sich festgebissen bei mir und versuchte sich mit seinen spitzen Ellbogen im aufsteigenden Bierdunst in meinem Kopf Platz zu schaffen und lies mir keine Ruhe, bis ich meine Ohren wieder auf Durchzug stellte und mich nach links, zu meinen alten Kneipen-Bekannten drehte, und ihn fragte:

“Sag mal, da wohnen doch ganz andere Leute, da drüben auf der anderen Seite der Isar, oder nicht?”

Bild von SA La auf Pixabay https://pixabay.com/de/photos/bar-toulouse-barkeeper-alkohol-4337608/
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Er antwortete: “Lass gut sein, ich kenne den Typen aus einer anderen Kneipe, der spinnt einfach!” Da mein Bekannter nicht verstanden hatte, auf was ich hinauswollte, wiederholte ich mich: “Meinst du nicht, dass es stimmt, dass auf der anderen Seite der Isar, ganz andere Leute wohnen?” Da er, ausser eines neugierigen Blickes keinerlei Reaktion zeigte, begann ich mit meiner Erläuterung: “Es wäre sogar äußerst seltsam, wenn es nicht so wäre. Stell dir einfach mal vor: Wir, die wir hier wohnen und die, die da drüben wohnen. Jetzt kann man behaupten, da drüber wohnen ganz andere Leute! Und es stimmt. Die können das von uns behaupten und wir von denen. Wenn es anders wäre, müssten wir ja auch da drüben wohnen und gleichzeitig hier und das ist doch unmöglich – diese Gleichzeitigkeit?” Da fiel der Groschen bei ihm: “Mhm, stimmt. Das wäre physikalisch unmöglich. Doch mit einer gespaltenen Persönlichkeit könnte es klappen, aber wer möchte das schon? Zweimal Miete zahlen und die doppelte Wartezeit auf den Bus, jeden Tag!”

Hurra, der Abend war gerettet! Es folgte noch lustige Biertisch-Philisophie mit meinem Bekannten, dank eines sehr komischen Gastes, den ich nach seinem Besuch auch nie wieder sah. Vielleicht ist er nach Düsseldorf verzogen?

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